Sonntag 05.03.2017,

Musikalische Leitung: 
Giuliano Carella
Regie und Dramaturgie:
Jossi Wieler, Sergio Morabito
Bühne und Kostüme: 
Nina von Mechow
 
Veranstaltungsort: 
Oper Stuttgart 
 

Ariodante

von Georg Friedrich Händel
Oper in drei Akten

Ariodante, ein junger italienischer Ritter, hat im schottischen Heer Karriere gemacht. Dem Aufsteiger wird, zu Beginn von Händels Oper, die Hand der schwärmerisch verehrten Prinzessin Ginevra versprochen, was ihn zugleich in den Rang des Thronfolgers katapultiert: Ein völlig unerwartetes Geschehen, das auf erhebliche subkutane Erschütterungen des ständischen Ordnungsgefüges verweist. Doch nach den wie im Rausch erlebten Verlobungsfeierlichkeiten kommt es am Morgen des Hochzeitstages zum Eklat. Die hochgemuten Lebensentwürfe der gegen alle Konvention vereinten Liebenden Ariodante und Ginevra zerbechen. Polinesso, Herzog von Albany, hat die Illusionen und inneren Widersprüche ihres individualistischen Subjektentwurfs durchschaut und nutzt sein Wissen zu ihrer gnadenlosen Demontage. In der Maske des Intriganten tritt uns in Polinesso ein Philo­soph der kritischen Aufklärung entgegen, der – Mozarts Don Alfonso aus „Così fan tutte“ nicht unähnlich – die Identitäts- und Glückssuche der Liebenden den grausamsten Bewährungsproben aussetzt und letztlich ihres Scheiterns überführt.
Händel schrieb mit Ariodante 1735 eine seiner letzten und schönsten Opern für sein Londoner Publikum, die zugleich eine der ersten ist, die die gesellschaftlichen Verwerfungen der Moder­ne reflektiert, wie sie sich in der damals bevölkerungsstärksten Großstadt und mächtigstem Handelszentrum der Welt ankündigten.